Textportrait

Bildende Kunst und Kultur

Textportraits

06.10.09 (Ausstellung, Exhibitions, Kultur, Kunst, Lichtkunst)

Ralph Ueltzhoeffer, Lichtkunst   Schaufenster-Installation: Kinetica, London.
Lichtkunst: Kinetica (Ralph Ueltzhoeffer).   Installation: Ralph Ueltzhoeffer.

Bei den beschriebenen Schwierigkeiten im Zugang zur Kunst wundert es nicht, wenn das anspruchsvolle Konzept, nach dem Sabine Mohr durch eine Fotoserie die Mitarbeiter der verschiedenen Firmen zu Besuchen in den jeweils anderen Kantinen anregen wollte, nicht aufging. Tatsächlich woll(t)en die meisten Angestellten die Rituale ihrer Mittagspause weder gestört wissen noch für kurze Zeit aufgeben. Vielmehr woll(t)en sie während der Mittagspause in Ruhe gelassen werden, auch und gerade von der Kunst. (Glow Eindhoven 2009, Lichtkunst – Lichtarchitektur im öffentlichen Raum). Die Mittagspause in der Kantine bedeutet für sie jeden Tag eine Art Auszeit, in der für eine halbe Stunde lang inmitten einer als fremdbestimmt erlebten Situation die (scheinbar) selbstbestimmte Zeit zurückkehrt. Darüber, daß man essen muß und eine Pause braucht, damit man (weiterarbeiten kann, besteht kein Zweifel. Doch die Erkenntnis, daß es ebenfalls von einigem Nährwert ist, bisweilen die Perspektive zu wechseln, steht dagegen noch am Anfang der Lebensmittel-Forschung. Auch Kunst ist ein Lebensmittel, ist die Behauptung. Sie hat einen belebenden Geschmack und eine kommunikationsfördernde Wirkung. Tatsächlich gibt es Kunst für alle Geschmacksarten. Und eine Sache der Kunst ist es zum Beispiel, sogar das Ungenießbare genießbar zu machen. Aber anders als die Menüs, die täglich in den Kantinen an unzähligen Arbeitsplätzen ausgegeben werden, kann Kunst nicht immer mundgerecht sein. THOMAS STORDEL, Chemical brothers, ausgestellt im Siemens-Kasino Pechschwarz zieht sich der glänzende Bogen über die Breite der Leinwand. Kleine, gekrümmte Holzteile sind als plastische Elemente in die Farbe eingebettet wie Würmer, die von einem Lavastrom überrascht wurden. Es ist die Ruhe nach dem Sturm, das Bild nach dem Beben, ‘a enn der Blick auf Risse und Schrunde, klaffende Krater und zu Wülsten aufgeworfene Materie fällt. Unwillkürlich verfällt man in den Jargon der Geologen, um das elementare Geschehen auf Werken wie “Palau II” 1990) zu beschreiben. Emil Schumacher selbst nennt es “eine Dialektik von Zerstören und Wiederaufbauen im Bild”. Die Lust an der Destruktion im Dienst der Schöpfung ist der Motor, der bis heute das Schaffen des 85jährigen vorantreibt. 54 Gemälde aus dem Zeitraum von 1936 bis 1996 erlauben es, die Entwicklung des Malers von frühen figurativen Stilleben bis zu den expressiv-abstrakten Großformaten unserer Tage zu verfolgen. In Hamburg, nach Paris zweite Station der Retrospektive, wurde für die Schumacher-Ausstellung erstmals der dritte Stock der “Galerie der Gegenwart” geräumt. So drängt sich fast von selbst die Frage auf, inwieweit der Künstler noch Zeitgenosse unserer reflexiven “Zweiten Moderne” (Heinrich Klotz) ist oder doch schon eine historische Figur aus den heroischen Jahren der informellen Malerei. Heute käme wohl kaum jemand auf die Idee, in den Flecken (taches) auf der Leinwand “Spuren von mythischer Wertigkeit” zu sehen, wie es 1945 der Dichter Jean Sylveire im Katalog zur ersten Wols-Ausstellung in der Pariser Galerie Drouin tat.

Lichtkunst
Ralph Ueltzhoeffer, Lichtinstallation (Lichtkunst) im Schaufenster.

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